Die DEL vor den Playoffs 2011/2012
19. März 2012 Hinterlasse einen Kommentar
In der Deutschen Eishockey Liga stehen ab dieser Woche die Playoffs an. Acht Mannschaften haben sich in der Hauptrunde oder in den Pre-Playoffs für das Viertelfinale qualifiziert. Leider bekommen die Liga und die Mannschaften in den deutschen Medien wenig bis gar keine Aufmerksamkeit. Die Gründe dafür und einen umfangreichen Blick auf die Playoffs gibt es jetzt hier.
Fangen wir erst einmal mit den Mannschaften an, die sich für das Viertelfinale qualifiziert haben. Als Titelverteidiger und Topfavorit auf die Meisterschaft gehen die Eisbären aus Berlin ins Viertelfinale. Mit drei der letzten vier Meisterschaften waren die Berliner mit Abstand das erfolgreichste Team in der Liga und die Hauptrunde schlossen sie ebenfalls mit Platz eins ab. Dazu haben die Eisbären auch den besten Zuschauerschnitt der ganzen Liga. Als Zweiter zog der ERC Ingolstadt in die nächste Runde der DEL. Dahinter kam das Überraschungsteam der letzten Saison, die Grizzly Adams Wolfsburg. Damit bestätigten die Wolfsburger die Vizemeisterschaft der letzten Saison, in der sie allerdings keine Chance gegen Berlin hatten.
Als Vierter zogen die Adler Mannheim ins Viertelfinale, die bis zum vergangen Jahr alleiniger Rekordmeister der DEL waren, bevor Berlin gleichzog. Die Mannheimer treffen dort auf die Hamburg Freezers, die in der Hauptrunde Fünfter wurden und somit zum ersten Mal seit 2009 wieder in den Playoffs sind. Auf Platz sechs ist als letzter fester Teilnehmer ein echter Neuling den Playoffs. Es sind die Straubing Tigers, die sich im sechsten DEL-Jahr zum ersten Mal für die nächste Runde qualifizieren könnten. Es kommt damit zum Duell mit dem Drittplatzierten, den Grizzlys aus Wolfsburg. Erst am aller letzten Hauptrundenspieltag zogen die Bayern auf Platz sechs und profitierten von einem Remis beim Spiel Augsburg vs. Düsseldorf, wo ein Sieg für einen der beiden Mannschaften für Platz sechs gereicht hätte.
Stattdessen mussten die beiden mit den Kölner Haien und den Iserlohn Roosters um die beiden verbleibenden Plätze in den Playoffs kämpfen. Die DEG Metro Stars spielten als Siebter gegen den Zehnten Iserlohn, während die Augsburger Panther als Achter gegen die Neuntplatzierten Kölner antrat. Für Augsburg sollten die Playoffs schneller vorbei sein als sie vermutlich am letzten Hauptrundenspieltag dachten, da nach zwei Spielen und zwar zwei Niederlagen gegen Köln Schluss war. Auch Kölns Rheinrivalen, die DEG Metro Stars, schafften als achte und letzte Mannschaft den Einzug ins Viertelfinale, da sie die Iserlohn Roosters in zwei Spielen zweimal besiegen konnten. Die Kölner Haie spielen nun gegen die Eisbären Berlin um den Einzug ins Viertelfinale, während Ingolstadt es jetzt mit der DEG zu tun hat. Im Viertelfinale wird der Modus „Best of Seven“ gespielt, heißt, man braucht vier Siege für das Erreichen des Halbfinales. Dort und im Finale braucht man nur drei Siege, da der Modus „Best of Five“ gespielt wird.
Wer in dieser Saison das Meisterrennen für sich entscheidet, ist sehr sehr, schwer voraus zu sagen. In Hauptrunde sah man, dass jeder jeden schlagen konnte aber auch, dass sich viele Mannschaften eine Auszeit nahmen und erst gegen Ende der Saison wieder die Form hatten und sich dann teils erst an den letzten Spieltagen qualifizierten. Bei den meisten ist der Titelverteidiger aus Berlin der Topfavorit auf den Titel, doch auch die Adler Mannheim haben gute Chancen auf den Titel. Für mich gibt es allerdings noch zwei weitere Geheimfavoriten. Da wären einmal die Grizzlys aus Wolfsburg, deren Finaleinzug im letzten Jahr wohl kein einmaliges Werk war und die Wolfsburger auch über die gesamte Hauptrunde gute Leistungen zeigten. Der zweite Geheimfavorit sind die Kölner Haie, die ich ein paar Mal selbst spielen sah. In der Hauptrunde waren die Haie eine Wundertüte, da wusste man nicht, welches Gesicht sie heute zeigen würden. Zum Ende der Hauptrunde gab es in sechs Spielen sechs Niederlagen am Stück, darunter das bestbesuchteste Spiel der Saison mit 18.500 Menschen in der Lanxess Arena beim Derby gegen Düsseldorf, um dann die letzten sechs Spiele der Hauptrunde in Folge zu gewinnen und sich somit noch für die Pre-Playoffs zu qualifizieren und eine grandiose Leistung abzuliefern.
Wenn man nicht gerade in der Nähe seines DEL-Lieblingsvereins wohnt, ist es sehr schwer für die Fans, ein Spiel ihrer Mannschaft zu sehen. Jedoch gibt es von vielen Vereinen sehr vorbildliche Maßnahmen: Auswärtsfahrten von Fanclubs erleichtern es den Fans, auch an Spielen, die nicht gerade in der Heimat liegen, teilzunehmen. So gab es zum Beispiel bei den Kölner Haien an den letzten beiden Spieltagen eine sogenannte XXL-Tour, wo die Fans in Bussen nach Düsseldorf und Berlin gefahren wurden. Sowas ist durchaus günstiger als selbst mit dem Auto die Auswärtsspiele zu besuchen und die Stimmung ist in der Gruppe sowieso besser.
Die Berichterstattung im deutschen Fernsehen sieht zur Zeit nicht gerade rosig aus. Gerade einmal ganze acht Spiele gibt es im frei einfangbaren Fernsehen bei Eurosport zu sehen. Wer mehr Spiele sehen will, muss sich ein Abo beim deutschen Pay-TV Sender Sky holen, was mindestens 33,90€ pro Monat kostet oder aver man wartet einen Tag und schaut sich die Spiele in einer Zusammenfassung im Internet an. Am selben Tag bieten sich sonst nur der Live-Ticker oder schriftliche Beiträge an. Bei Sky gibt es dafür pro Spieltag ein Spiel aus der DEL zu sehen. Im Viertelfinale gibt es ebenfalls ein Spiel, erst ab dem Halbfinale werden alle Spiele gezeigt. Aber es gibt vielleicht Hoffnung, dass bald wieder mehr Spiele im deutschen Free-TV laufen, weil der Vertrag mit Sky nach dieser Saison ausläuft, die DEL so spannend wie nie ist und auch wieder deutlich mehr Fans in die Arenen gehen als es in den letzten Jahren der Fall war, da die DEL zur Zeit den höchsten Zuschauerschnitt der gesamten DEL-Geschichte hat. Diese Liga, die mehr durchschnittliche Besucher als Handball und Basketball hat, sollte einen festen Free-TV Partner bekommen, da die Deutsche Eishockey-Liga auch deutlich spannender als die meisten anderen ist. Jetzt muss man die kommenden Monate abwarten, ob Eishockey und die DEL künftig wieder mehr Präsens in der öffentlich Wahrnehmung bekommen. Dieser Sport und seine Fans haben es auf jeden Fall verdient!
Euer Domenik Lange